Darm und Immunsystem Teil I


Darm und Immunsystem Teil I

Dein Darm kann weit mehr als nur verdauen. Hier findet täglich Austausch zwischen Darmschleimhaut, Immunzellen und Darmbakterien statt. Jeden Tag entscheidet sich hier, was dein Körper toleriert und wogegen er sich schützen muss.

Erfahre, wie dieses Zusammenspiel funktioniert und was deine Ernährung damit zu tun hat.

1. Der Darm – mehr als ein Verdauungsorgan

Wenn wir an unseren Darm denken, dann denken wir meist zuerst an Verdauung.

Doch unser Darm kann viel mehr: Er ist gleichzeitig ein wichtiger Teil unseres Immunsystems und das möchte ich in diesem Blog-Artikel genauer betrachten.

Über unsere Nahrung gelangen täglich unzählige Stoffe und Mikroorganismen in den Verdauungstrakt. Da muss unser Körper unterscheiden: Was ist harmlos und darf passieren – und wogegen muss er sich schützen?

Dafür benötigen wir ein gut funktionierendes Immunsystem.

Mit der beginnenden Herbst- und Winterzeit rückt dieses Thema auch wieder mehr in den Vordergrund. 

Lies dazu gerne den Blog-Artikel: Gesund durch den Winter

👉 Blog-Artikel "Gesund durch den Winter"

Die Darmschleimhaut bildet eine große Kontaktfläche zwischen Außenwelt und dem Körperinneren. Zusammen mit den Immunzellen und unseren Darmbakterien trägt sie dazu bei, unerwünschte Eindringlinge abzuwehren und gleichzeitig harmlose Stoffe zu tolerieren.

Die Verdauung, die Darmschleimhaut als Schutzbarriere und das Immunsystem sind also eng miteinander verbunden. Dieses Zusammenspiel beschreibe ich in den nächsten Abschnitten genauer.

2. Das Immunsystem im Darm

Wie schon erwähnt, unser Darm ist nicht nur für die Verdauung zuständig. Unser Darm ist ein wichtiger Teil unserer Immunabwehr. In der Darmschleimhaut befindet sich das sogenannte darmassoziierte lymphatische Gewebe (GALT). Vereinfacht gesagt: Hier sitzen viele Immunzellen, die ständig beobachten, was über den Darm mit unserem Körper in Kontakt kommt.

Ihre Aufgabe ist sehr anspruchsvoll. Das Immunsystem muss Krankheitserreger erkennen und abwehren. Gleichzeitig müssen harmlose Nahrungsbestandteile und unsere nützlichen Darmbewohner erkannt und toleriert werden, also welche Bakterien brauchen wir und welche schaden uns.

Unterstützt wird das Immunsystem dabei von der Darmschleimhaut. Sie bildet eine wichtige Schutzbarriere zwischen Darminhalt und Körperinnerem.

Zudem helfen spezielle Antikörper unerwünschte Mikroorganismen abzufangen.

Deshalb ist es so wichtig: Ein gesunder Darm bedeutet weit mehr als nur eine gute Verdauung. Auch eine intakte Darmbarriere und eine gut regulierte Immunabwehr gehören dazu.

Oft wird in Zusammenhang von Darmgesundheit davon gesprochen, dass sich insgesamt 70-80% aller Immunzellen im Darm befinden. Das ist nicht ganz klar so zu bestimmen. Aber klar ist, dass ein großer Teil der Immunzellen bzw. des lymphatischen Gewebes mit dem Darm in Verbindung steht.

Deshalb lohnt es sich genauer hinzuschauen.

3. Mikrobiota und Mikrobiom – was ist der Unterschied?

Unser Darm ist ein komplexes Ökosystem. Hier leben unzählige Mikroorganismen, vor allem Bakterien, aber auch Viren, Pilze und andere Kleinstlebewesen.

Wenn du dich genauer damit beschäftigst, dann begegnen dir, u. a. zwei Begriffe häufiger:

Mikrobiota bezeichnet die Gesamtheit der Mikroorganismen, die unseren Darm besiedeln.

Mikrobiom beschreibt im engeren Sinne deren genetisches Material und wird heute häufig auch als Begriff für das gesamte mikrobielle Ökosystem verwendet.

Wichtig ist vor allem: unsere Darmmikrobiota ist bei jedem Menschen individuell zusammengesetzt. Sie entwickelt sich bereits früh im Leben und verändert sich unter anderem durch Alter, Lebensstil, Medikamente und natürlich durch unsere Ernährung.

Was wir also täglich essen, liefert nicht nur Nährstoffe für unseren Körper. Unsere Nahrung beeinflusst auch die Bedingungen für die Mikroorganismen in unserem Darm. Besonders pflanzliche Lebensmittel und ihre Ballaststoffe spielen dabei eine wichtige Rolle.

Darmgesundheit bedeutet deshalb nicht, möglichst viele bestimmte „gute“ Bakterien zu besitzen. Entscheidend ist vielmehr ein vielfältiges und ein gut funktionierendes Zusammenspiel der unterschiedlichen Darmbewohner.

Eine abwechslungsreiche, pflanzenbetonte Ernährung kann dafür gute Bedingungen schaffen, denn sie liefert den Darmbakterien unterschiedliche Ballaststoffe und damit wichtige Nahrungsquellen.

Welche Aufgaben diese Mikroorganismen für uns übernehmen, schauen wir uns im nächsten Abschnitt genauer an.

4. Welche Aufgaben übernimmt unsere Darmmikrobiota?

Unsere Darmbewohner sind alles andere als passive Mitbewohner. Sie sind an zahlreichen Vorgängen beteiligt, die für unsere Verdauung, die Darmschleimhaut und unser Immunsystem wichtig sind.

Eine ihrer wichtigen Aufgaben beginnt bei der Verdauung.

Hier möchte ich in erste Linie die Ballaststoffe erwähnen. Ballaststoffe können von unseren Verdauungsenzymen nicht vollständig aufgespalten oder verdaut werden und gelangen quasi unverdaut in den Dickdarm. Dort werden sie von der Darmbakterien verwertet.

Dabei entstehen unter anderem kurzkettige Fettsäuren. Hier ist besonders Butyrat interessant. Butyrat dient den Zellen unserer Dickdarmschleimhaut als wichtige Energiequelle und unterstützt damit die Schutzfunktion des Darms.

Gleichzeitig konkurriert unsere Darmmikrobiota mit potenziell krankmachenden Mikroorganismen um Platz und Nahrung und können so dazu beitragen, deren übermäßige Vermehrung zu begrenzen.

Hier kommen wir wieder auf die Ernährung.

Eine abwechslungsreiche und individuell verträgliche Ernährung ist täglich ein wichtiger Faktor, damit gute Bedingungen für deine Darmmikrobiota entstehen und nicht die krankmachenden Mikroorganismen die „Kontrolle“ in deinem Darm übernehmen. Was dann dazu führen würde, dass unterschiedlichste Beschwerden auftreten könnten.

Fazit: Was auf deinem Teller liegt, endet nicht einfach nur mit der Verdauung: Es beeinflusst auch, welche Nahrung deine Darmbakterien bekommen und welche Stoffwechselprodukte daraus entstehen.

5. Darmbakterien: Gute und schlechte?

In unserem Darm leben viele unterschiedliche Mikroorganismen zusammen. Die Hauptgruppe bilden die Bakterien, es sind jedoch auch Pilze, Viren und weitere Kleinstlebewesen in geringer Konzentration vorhanden. 

Einige unterstützen wichtige Funktionen, andere können unter bestimmten Bedingungen ungünstig wirken. Entscheidend ist deshalb nicht ein einzelnes Bakterium, sondern das Zusammenspiel der gesamten Darmmikrobiota – früher auch Darmflora genannt.

Wenn über Darmgesundheit gesprochen wird, dann fallen schnell die Begriffe „gute“ und „schlechte“ Darmbakterien. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Auch die beiden häufig genannten Bakteriengruppen wie Bacteroidetes und Firmicutes gehören zu diesem Ökosystem und diese dominieren im Normalfall in unserem Darm. Ihr Verhältnis kann von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein und lässt sich nicht einfach in „gesund“ oder „ungesund“ einteilen. Unsere Essgewohnheiten können ihre Anwesenheit beeinflussen.

Was kannst du daraus für dich mitnehmen?

Du musst deine Darmbakterien nicht einzeln kennen 😀. Viel wichtiger ist es, gute Bedingungen für ein vielfältiges und stabiles Darmmilieu zu schaffen.

Und genau darauf können wir Einfluss nehmen.

Zu den wichtigen Faktoren gehören:

  • Ernährung –bunt und vielfältig, ausreichend Ballaststoffe
  • Stress – kann sich auf Verdauung und Darmmikrobiota auswirken
  • Schlaf – ausreichend Schlaf spielt auch für den Darm eine Rolle
  • Bewegung – kann eine vielfältige Darmmikrobiota unterstützen
  • Medikamente – insbesondere Antibiotika und Cortison können die Zusammensetzung der Mikrobiota verändern

Was kannst du also selbst tun, um deine Darmmikrobiota zu unterstützen?

Darum geht es im zweiten Teil dieser Blogserie. Dort schauen wir genauer darauf, was unsere Darmmikrobiota beeinflusst, was Stuhltests aussagen können und welche Rolle Ernährung und Ballaststoffe dabei spielen.

Wenn du herausfinden möchtest, welche Ernährung zu dir und deiner Verdauung passt, vereinbare gerne ein unverbindliches Kennenlerngespräch mit mir.



Verdauungsbeschwerden haben nicht immer nur eine Ursache. Es lohnt sich deshalb, Ernährung, Verdauung und persönliche Gewohnheiten gemeinsam zu betrachten.

Fazit: Darmgesundheit ist ein Zusammenspiel

Verdauung, Darmmikrobiota, Darmschleimhaut und Immunsystem arbeiten eng zusamme. Es ist wichtig diese Zusammenspiel im Gleichgewicht zu halten.

Es lohnt sich immer genauer hinzuschauen und Ernährung, Verdauung, Lebensstil und persönliche Gewohnheiten gemeinsam zu betrachten.

Darmgesundheit bedeutet für mich nicht nur einzelne Symptome isoliert zu betrachten, sondern Zusammenhänge zu erkennen und herauszufinden, was der eigene Darm individuell braucht und was er gut veträgt.

Was können wir selbst tun, um gute Bedingungen für unseren Darm und unsere Darmmikrobiota zu schaffen?

Genau darum geht es im zweiten Teil dieser Blogserie.

Wir schauen uns dann an, welche Faktoren unsere Darmmikrobiota beeinflussen und vor allem, welche Rolle unsere Ernährung, Ballaststoffe und Präbiotika dabei spielen.

Unsere tägliche Ernährung beeinflusst nicht nur uns – sondern auch die vielen Mikroorganismen, die in unserem Darm leben.


🧡Bleib gesund – und gut in Verbindung mit dir und deinem Körper.

Herzliche Grüße

Blanka